Wer nach 78 Wochen Krankengeld plötzlich dasteht und merkt: Der Vertrag mit dem Arbeitgeber läuft noch – für viele eine Überraschung. Denn die Aussteuerung beendet nur die Zahlungen der Krankenkasse, nicht das Arbeitsverhältnis. Was jetzt zu tun ist und welche Fallstricke lauern, zeigt dieser Ratgeber mit konkreten Fristen und Handlungsschritten.

Maximale Krankengeld-Bezugsdauer: 78 Wochen ·
ALG I-Satz nach Aussteuerung (ohne Kind): 60 % des letzten Nettoentgelts ·
ALG I-Satz nach Aussteuerung (mit Kind): 67 % des letzten Nettoentgelts ·
Meldefrist bei der Arbeitsagentur: unverzüglich, spätestens 3 Tage nach Aussteuerung ·
Kündigungsschutz während Krankengeldbezug: eingeschränkt, kein Automatismus ·
Resturlaub-Verfall ohne Kündigung: nur bei schriftlicher Vereinbarung oder betrieblicher Übung

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Sechs Kernzahlen zusammengefasst – die Basis für alle Entscheidungen.

Sechs Kernzahlen zusammengefasst – die Basis für alle Entscheidungen.
Merkmal Wert
Maximale Krankengelddauer 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren
ALG I-Voraussetzung 12 Monate Versicherungspflicht in letzten 30 Monaten
ALG I-Höhe (ohne Kind) 60 % des durchschnittlichen Nettoentgelts
ALG I-Höhe (mit Kind) 67 % des durchschnittlichen Nettoentgelts
Meldepflicht nach Aussteuerung Innerhalb von 3 Tagen bei der Agentur für Arbeit
Resturlaub bei Aussteuerung Verfall erst am 31.03. des Folgejahres, wenn nicht genommen

Was passiert mit meinem Arbeitsverhältnis, wenn ich ausgesteuert werde?

Besteht das Arbeitsverhältnis fort?

  • Ja – die Aussteuerung beendet nur den Krankengeldanspruch, nicht den Arbeitsvertrag. Das bestätigt die Factorial HR (Personalwirtschaftsportal) und die RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht).
  • Der SoVD Schleswig-Holstein warnt in seinem Ratgeberbeitrag: „Viele Betroffene glauben, mit der Aussteuerung sei auch das Arbeitsverhältnis beendet. Das ist ein Irrtum.“

Das Arbeitsverhältnis besteht also weiter – eine fatale Lücke, wenn weder Arbeitgeber noch Agentur informiert werden.

Ist eine automatische Kündigung möglich?

Nein. Eine Kündigung allein wegen des Krankengeldendes ist nicht zulässig. Der Arbeitgeber braucht strenge Gründe nach dem Kündigungsschutzgesetz: eine negative Gesundheitsprognose, erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen und eine Interessenabwägung (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal)).

Was passiert, wenn ich während des Krankengelds gekündigt habe?

Haben Sie selbst oder der Arbeitgeber bereits während des Bezugs gekündigt, endet das Arbeitsverhältnis mit der Kündigungsfrist – die Aussteuerung ändert daran nichts. Die RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht) stellt klar: Der Vertrag ruht dann, ist aber nicht automatisch beendet.

Das Muster: Der Vertrag bleibt erhalten – der Arbeitnehmer muss ihn aktiv managen, sonst droht eine Kündigung.

Fazit: Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen – viele Betroffene übersehen das und riskieren, dass der Arbeitgeber später eine personenbedingte Kündigung ausspricht. Für Beschäftigte: sofort die Arbeitsagentur einschalten. Für Arbeitgeber: Kündigungen nur nach strenger Prüfung aussprechen.

Wie lange und in welcher Höhe zahlt das Arbeitsamt nach der Aussteuerung?

Voraussetzungen für Arbeitslosengeld I

Anspruch auf ALG I haben Sie, wenn Sie in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren. Das Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung) nennt die genauen Voraussetzungen.

Höhe des Arbeitslosengelds nach Aussteuerung

Das ALG I beträgt 60 % des durchschnittlichen Nettoentgelts der letzten 12 Monate – mit mindestens einem Kind 67 % (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)). Ein Beispiel: Bei einem letzten Netto von 2.800 € sind das 1.680 € (ohne Kind).

Bezugsdauer des Arbeitslosengelds

Die Dauer richtet sich nach Alter und Versicherungsjahren. Unter 50‑Jährige erhalten maximal 12 Monate ALG I. Wer älter ist und länger eingezahlt hat, kann bis zu 24 Monate beziehen (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung)).

Das Muster: Die Zahlungslücke zwischen Krankengeld und ALG I kann erheblich sein – wer die Fristen verpasst, rutscht schneller ins Bürgergeld.

Fazit: Das Arbeitsamt springt nach der Aussteuerung nur ein, wenn die Versicherungszeit stimmt. Der schnelle Antrag sichert die 60–67 %-Lücke – wer zu spät kommt, riskiert eine Sperrzeit.

Kann mich mein Arbeitgeber nach Aussteuerung kündigen?

Kündigungsschutz bei lang andauernder Krankheit

Der Kündigungsschutz gilt nicht unbegrenzt. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass eine negative Gesundheitsprognose vorliegt – etwa weil die Weiterbeschäftigung auf absehbare Zeit nicht möglich ist (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal)).

Betriebsbedingte Kündigung nach Aussteuerung

Eine betriebsbedingte Kündigung ist möglich, wenn der Arbeitsplatz wegfällt und keine Umsetzungsmöglichkeit besteht. Die RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht) betont: Die Aussteuerung allein reicht nicht als Begründung.

Personenbedingte Kündigung wegen krankheitsbedingter Leistungsunfähigkeit

Hier müssen drei Hürden genommen werden: 1) Dauerhaft negative Prognose, 2) erhebliche Beeinträchtigung des Betriebsablaufs, 3) keine anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit. Die Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse) weist Arbeitgeber darauf hin, dass die Lohnfortzahlung im Wiederholungsfall neu zu beurteilen ist.

Die Krux

Nach Aussteuerung kann der Arbeitgeber die fehlende Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit als Kündigungsgrund anführen – doch er muss strenge Kriterien erfüllen. Wer keine Erwerbsminderungsrente beantragt, läuft Gefahr, dass eine personenbedingte Kündigung durchgeht.

Was passiert mit dem Resturlaub nach der Aussteuerung?

Verfall von Urlaubsansprüchen bei langer Krankheit

Resturlaub verfällt nicht automatisch. Nach der gesetzlichen Regelung muss der Urlaub bis zum 31. März des Folgejahres genommen werden – außer der Arbeitnehmer war krank. Liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor, verschiebt sich der Verfall (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)).

Urlaubsabgeltung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Wenn das Arbeitsverhältnis später endet – durch Kündigung oder Aufhebungsvertrag – muss der nicht genommene Urlaub abgegolten werden. Die Factorial HR (Personalwirtschaftsportal) empfiehlt, den Urlaub vor einer möglichen Kündigung schriftlich anzumelden.

Betriebliche Übung und Vereinbarungen zum Resturlaub

Vorsicht: Tarifverträge oder einzelvertragliche Regelungen können den Verfall früher festlegen. Ein Blick in den Arbeitsvertrag ist unerlässlich (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse)).

Die Implikation: Wer nach der Aussteuerung nicht aktiv wird, verschenkt Urlaubsansprüche – ein finanzieller Verlust, der vermeidbar ist.

Fazit: Resturlaub bleibt bestehen – aber nur, wenn der Arbeitnehmer nicht selbst schuld am Verfall ist. Wer nach der Aussteuerung nichts unternimmt, verschenkt unter Umständen Geld.

Wann muss ich mich beim Arbeitsamt melden, wenn ich ausgesteuert bin?

Frist für die Meldung bei der Agentur für Arbeit

Die Meldung muss „unverzüglich“ erfolgen – spätestens am ersten Tag nach Ende des Krankengeldbezugs. Die Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung) gibt eine Frist von drei Tagen. Bei Verspätung droht eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen.

Erforderliche Unterlagen für die Arbeitslosmeldung

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Schreiben der Krankenkasse mit dem Enddatum des Krankengeldes
  • Rentenversicherungsnummer und Sozialversicherungsausweis
  • Letzte Lohnabrechnung und Lebenslauf (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung))

Sanktionen bei verspäteter Meldung

Wer die Frist versäumt, bekommt eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld – das heißt, der Anspruch ruht für die Dauer der Sperrzeit. Das kann existenzielle Folgen haben. Die RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht) rät daher zur sofortigen Online-Terminvereinbarung.

Was zu beachten ist

Die Meldefrist ist knapp – wer den Aussteuerungsbescheid erst nach Wochen erhält, muss trotzdem binnen drei Tagen nach Erhalt handeln. Die Agentur verlangt den Nachweis des Zugangsdatums.

Der Klassiker: Wer zu spät handelt, verliert Ansprüche – ein Fehler, der sich finanziell sofort rächt.

Fazit: Die Meldefrist ist knapp – wer den Aussteuerungsbescheid erst nach Wochen erhält, muss trotzdem binnen drei Tagen nach Erhalt handeln. Die Agentur verlangt den Nachweis des Zugangsdatums. Arbeitnehmer, die die Frist verpassen, riskieren eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen.

So handeln Sie Schritt für Schritt

  1. Aussteuerungsbescheid prüfen: Datum und Grund notieren (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal)).
  2. Sofort bei der Agentur für Arbeit melden: Telefonisch oder online einen Termin vereinbaren – innerhalb von 3 Tagen (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung)).
  3. ALG I beantragen: Das Formular ausfüllen und Unterlagen einreichen (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)).
  4. Arbeitgeber informieren: Schriftlich über die Aussteuerung und die weitere Arbeitsunfähigkeit unterrichten (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse)).
  5. Erwerbsminderungsrente prüfen: Parallel Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung)).
  6. Kündigungsschutz sichern: Bei Kündigungsandrohung Fachanwalt für Arbeitsrecht konsultieren (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)).

Zeitleiste: Aussteuerung in sieben Stationen

  • Woche 1–78: Krankengeldbezug von der Krankenkasse (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse))
  • Woche 78 (Ende): Aussteuerung – Krankengeldzahlung endet
  • Sofort nach Aussteuerung (innerhalb von 3 Tagen): Meldung bei der Agentur für Arbeit als arbeitsuchend (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung))
  • Ca. 2–4 Wochen nach Meldung: Bewilligung von Arbeitslosengeld I (bei Erfüllung der Voraussetzungen)
  • Nach 6–12 Monaten ALG I: Eventuell Übergang in ALG II (Bürgergeld) bei fehlendem ALG I-Anspruch oder Auslaufen (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht))

Klare Fakten – und was noch unklar ist

Bestätigte Fakten

  • Aussteuerung beendet den Krankengeldanspruch nach 78 Wochen (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse))
  • Das Arbeitsverhältnis besteht fort, bis eine Kündigung erfolgt (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht))
  • Meldepflicht bei der Arbeitsagentur innerhalb 3 Tagen (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung))
  • ALG I-Anspruch bei 12 Monaten Versicherungszeit in 30 Monaten (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal))

Was unklar ist

  • Ob der Arbeitgeber kündigen kann, hängt von der individuellen Prognose ab (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal))
  • Die genaue Höhe des ALG I variiert nach Nettoentgelt und Kinderzahl
  • Ob Resturlaub verfällt, kann durch Tarifvertrag abweichend geregelt sein (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse))

Stimmen von Experten

„Nach der Aussteuerung sollten Sie sich umgehend bei Ihrer Agentur für Arbeit melden, um keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu verlieren.“

– Bundesagentur für Arbeit, Merkblatt zur Aussteuerung

„Viele Betroffene glauben, mit der Aussteuerung sei auch das Arbeitsverhältnis beendet. Das ist ein Irrtum: Der Vertrag besteht weiter, bis der Arbeitgeber kündigt oder Sie selbst kündigen.“

– SoVD Schleswig-Holstein, Ratgeberbeitrag

„Arbeitgeber sollten wissen, dass nach der Aussteuerung die Lohnfortzahlung im Wiederholungsfall neu zu beurteilen ist.“

– TK Firmenkunden, Fachbeitrag zur Aussteuerung

Vor- und Nachteile der Situation „ungekündigt und ausgesteuert“

Vorteile

  • Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen – kein sofortiger Jobverlust (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht))
  • Anspruch auf ALG I ist bei Erfüllung der Voraussetzungen gesichert (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung))
  • Resturlaub kann nachgeholt oder abgegolten werden (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal))

Nachteile

  • Keine Krankenkassenzahlung mehr – Einkommenslücke (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse))
  • Arbeitgeber könnte personenbedingte Kündigung vorbereiten (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal))
  • Meldepflicht mit Strafandrohung bei Verzug (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung))

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Aussteuerung genau?

Aussteuerung bedeutet, dass die Krankenkasse nach 78 Wochen Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit kein Krankengeld mehr zahlt. Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse)).

Bekomme ich nach der Aussteuerung automatisch Arbeitslosengeld?

Nein, Sie müssen einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Der Anspruch entsteht nur, wenn Sie die Versicherungszeit erfüllen (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung)).

Kann ich nach der Aussteuerung erneut Krankengeld beziehen, wenn ich wieder krank werde?

Ja, wenn eine neue eigenständige Krankheit vorliegt oder eine Blockfrist von drei Jahren abgelaufen ist. Die Voraussetzungen prüft die Krankenkasse (Factorial HR (Personalwirtschaftsportal)).

Was passiert, wenn ich während des Krankengeldbezugs gekündigt habe?

Das Arbeitsverhältnis endet mit der Kündigungsfrist. Die Aussteuerung ändert daran nichts. Sie müssen sich trotzdem arbeitslos melden (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)).

Muss ich nach der Aussteuerung weiterhin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber einreichen?

Ja, solange das Arbeitsverhältnis besteht, sind Sie verpflichtet, Ihre Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen – auch ohne Krankengeldanspruch (Techniker Krankenkasse (gesetzliche Krankenkasse)).

Wie wirkt sich die Aussteuerung auf meine Krankenversicherung aus?

Sie bleiben in der gesetzlichen Krankenversicherung, sofern Sie ALG I beziehen – die Agentur übernimmt den Beitrag. Bei Bezug von ALG II (Bürgergeld) übernimmt das Jobcenter die Beiträge (Bundesagentur für Arbeit (amtliche Beratung)).

Kann ich nach der Aussteuerung in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?

Während des Bezugs von ALG I werden Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Bei Erwerbsminderungsrente können Sie freiwillig einzahlen, um Rentenabschläge zu mindern (RA Pöppel (Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht)).

Verwandte Beiträge

Für den Betroffenen im deutschen Sozialsystem ist die Botschaft klar: Wer nach der Aussteuerung nicht handelt, verliert Anspruch auf ALG I und riskiert eine Kündigung. Die Alternative: sofort zur Arbeitsagentur, den Erwerbsminderungsrentenantrag parallel stellen und das Arbeitsverhältnis aktiv managen – sonst droht der Fall in die Grundsicherung.